Zweitzeugen e.V.

Rassismus und Antisemitismus aktiv etwas entgegenzusetzen, sind die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft. Denn Vorurteile stecken tief in jedem. Wachsender Rechtsextremismus äußert sich in Gewalt und wird durch Schweigen der anderen zu einer noch größeren Gefahr für unsere Gesellschaft. Es ist wichtig, Menschen für diese Entwicklungen zu sensibilisieren und Mut zu einer aktiven Gegenpositionierung zu machen.

Der Verein Zweitzeugen e.V. macht sich stark für eine offene und vielfältige Gesellschaft ohne Antisemitismus und Rassismus. Der Verein ermutigt und befähigt (junge) Menschen, sich als Zweitzeugen aktiv dafür einzusetzen.

Vom Holocaust erzählen

Zweitzeugen e.V. hat mit Überlebenden des Holocaust gesprochen und gibt diese Erinnerungen weiter, wenn die Zeitzeugen es selbst nicht (mehr) können. Als Zeugen der Zeitzeugen, als Zweitzeugen, erzählen die Mitglieder des Vereins insbesondere Kindern und Jugendlichen von den unterschiedlichen Leben vor, während und nach dem Holocaust. Die jungen Menschen antworten in Briefen und setzen eigene Projekte wie Kurzfilme oder Gedenkveranstaltungen um. Sie werden selbst zu Zweitzeugen.

Rund 150 Ehrenamtliche eint der Wunsch, sich aktiv gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu engagieren. Aktuell realisiert der Verein Bildungsprojekte mit Schulen, hält Vorträge und lädt zu Workshops in Fußball-Lernzentren von Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach ein. Jährlich werden so etwa 3.000 Kinder und Jugendliche zu Zweitzeugen.

Doch der Verein möchte mehr Menschen Zugang zu den Überlebensgeschichten bieten. Deshalb soll eine neu konzipierte interaktive Wanderausstellung mit dem Titel „Erinnerungskultur gestalten und Demokratie stärken“ die Geschichten der Zeitzeugen in die Gesellschaft tragen. Sie möchte ihre Erinnerungen über Generationen hinweg bewahren und insbesondere junge Menschen befähigen, sich aktiv als Zweitzeugen für eine demokratische Gesellschaft zu engagieren. Dafür möchten die Zweitzeugen die bestehende, rein analoge Porträtausstellung um ein erfolgreiches didaktisches Konzept sowie digitale Elemente erweitern.

Die Ausstellungsarchitektur ist ortsunabhängig, leicht aufbaubar und kann überall gezeigt werden. Zudem werden die Geschichten der Zeitzeugen anhand multimedialer Stationen und eines digitalen Guides durch Hintergrundinfos, Audio-Ausschnitte, Fotos und Videos von Zeit- und Zweitzeugen ergänzt.

Mit einer Förderung von insgesamt 150.000 Euro kann diese Vision in den nächsten drei Jahren umgesetzt und eine Strategie für ein anschließendes nachhaltiges Finanzierungskonzept erstellt werden. Das Projekt umfasst eine ausführliche Konzipierungsphase, die Über- und Erarbeitung der Ausstellungsinhalte (digital wie analog), die Erarbeitung und Gestaltung eines Multimedia-Guides und mehrerer Medienstationen. Auf die erste Ausstellung im Jahr 2022 sollen 2023 zwei bis drei und 2024 bis zu sechs Ausstellungen folgen. Dabei sollen die Ergebnisse sukzessive veröffentlicht, evaluiert und fortlaufend verbessert werden. Der Verein rechnet damit, durch dieses Ausstellungsprojekt zusätzlich mindestens weitere 6.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreichen zu können.

2010 als Studienprojekt entstanden, ist Zweitzeugen e.V. seit 2014 ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Die Zweitzeugen ermutigen mit Holocaust-Überlebensgeschichten Menschen jeder Bildungsschicht dazu, sich vertieft mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander- und aktiv gegen Antisemitismus und Rassismus im Heute einzusetzen.

Zweitzeugen e.V. besteht aus mehr als 200 Mitgliedern und rund 150 Ehrenamtlichen. Aktuell sind neun Personen hauptamtlich für den Verein tätig.

zweitzeugen.de